Lebenskompetenz Empathie

Juli, 2019 von Ines Külper in Allgemein, Empathie, Lebenskompetenz


Bild:Gerd Altmann

Unser Communitymitglied Ilona Kofler setzt heut mit einem tollen Gastbeitrag unsere Serie zu den Lebenskompetenzen fort.

Sympathie, Antipathie, Empathie – all diese Bezeichnungen stammen aus dem griechischen und stehen als Begriffe dafür, wie wir anderen gegenüber empfinden. Empathie hat sich in den letzten Jahren sozusagen einen Namen gemacht: Empathiefähigkeit wird als große Stärke angesehen und sogar als DAS Soft Skill gehandelt, in diversen Medien gibt es Empathietests und Fragebögen zur persönlichen Fähigkeit zu Mitgefühl. In Unternehmen und Organisationen werden Mitarbeiter in der Kompetenz Empathie geschult, um wertschätzende Kommunikation und sensible Konfliktlösungen zu leben.

Was genau ist nun Empathie? Empathie ist eine Eigenschaft, die uns dazu befähigt, uns in andere Personen und Lebewesen einzufühlen.

Mit Empathie können wir Gedanken, Gefühle und Beweggründe unseres Gegenübers auf emotionaler und gedanklicher Ebene erfassen. Hochsensible Menschen werden oftmals als Empathen bezeichnet – durch ihre tiefe und intuitive Art der Wahrnehmung zählt Einfühlungsvermögen zu den größten Stärken ihrer Begabung Hochsensibilität.

Laut Paul Ekman, einem amerikanischen Anthropologen und Psychologen, handelt es sich bei Empathie, auch Mitgefühl genannt, nicht um Emotionen, sondern um Reaktionen auf die Emotion eines anderen Menschen oder Lebewesens.

Stelle dir vor, du hast kein Mitgefühl und bist nicht fähig, Empathie zu empfinden:

Es wäre dir egal, wie es deiner Freundin ginge, die dir schluchzend erzählt, dass ihr Ehemann sie betrogen hat und sie verlassen will. Es würde dich nicht tangieren, wenn deinem Partner eine schwere Vase auf den Fuß fiele und er sich vor körperlichem Schmerz windet. Wahrscheinlich ließe es dich völlig kalt, wenn dein Kind von Husten geschüttelt und fiebrig im Bett liegen würde. Im Gegenzug könntest du dich nicht mit deinem Freund freuen, der eben von der Schwangerschaft seiner Partnerin erfahren hat und es wäre dir einerlei, dass deine Mutter im Lotto gewonnen hätte. Du könntest über den Schmerz und die Pein deines Gegenübers hinwegsehen, dich aber auch nicht mitfreuen und mitfiebern.

Was wäre das für ein Leben? Was würde dir alles entgehen? Wie viel Mehr an Leben würde dir fehlen? Sei dir jetzt in diesem Augenblick einmal ganz bewusst, wie sehr Mitgefühl dein Leben bereichert. Und wie sähe es mit der Empathie für dein Mittagessen aus? Auch da wäre es dir piep-egal, wie es dem Hähnchen zeit seines Lebens ergangen wäre und auf welche Art und Weise es geschlachtet wurde, um als Nuggets auf deinem Teller zu landen. Oder ist das sowieso egal?

Da könnte die Theorie der sog. Spiegelneuronen wirksam sein: Das Tier, das du tot auf dem Teller hast, löst in dir keine Gefühle mehr aus, weil es dir seine Gefühle und Gedanken nicht mehr spiegeln, also übertragen kann.

Der Begriff Empathie umfasst Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und Verstehen. Lange Zeit wurde in Fachkreisen davon ausgegangen, dass Einfühlungsvermögen eine anerzogene menschliche Eigenschaft ist.

Fakt ist aber, dass bei allen Säugetieren – also auch beim Menschen – bereits bei der Geburt eine natürlich vorhandene Empathie zwischen Mutter und Neugeborenem da ist. Der Verhaltensforscher und Zoologe Frans de Waal geht davon aus, dass die evolutionär angelegte menschliche Fähigkeit zur Empathie Voraussetzungen zu unserem moralischen und sozialen Umgang beherbergt. Zudem haben weitere Verhaltensforscher Studien zu empathischem Verhalten von Tieren durchgeführt, die Folgendes nahelegen: Hunde zeigen empathisches Verhalten sowohl untereinander als auch dem Menschen gegenüber. Primaten, Raben, Mäuse und Ratten verhalten sich unter ihresgleichen mitfühlend.

Laut Wikipedia werden drei Formen von Empathie unterschieden:

1. Emotionale Empathie, auch emotionale Sensitivität genannt: Ihr liegt als Haupteigenschaft das Mitgefühl, also die Emotion zugrunde, sich in den anderen Menschen oder Lebewesen hineinzufühlen.

2. Kognitive Empathie oder Perspektivenübernahme: Hier wird unterschieden zwischen einer äußerlichen und einer innerlichen Perspektivenübernahme. Der Mensch kann sich im Gegensatz zu anderen Lebewesen auch in die innere Erlebniswelt des Gegenübers hineinversetzen.

3. Soziale oder narrative Empathie: Laut F. Breihaupt ist die gesellschaftliche Empathie die wichtigste Basis für eine soziale Gesellschaft.

Wir kommen also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alle als empathische Babys zur Welt. Warum gibt es dann so große Unterschiede in unserem Einfühlungsvermögen untereinander und anderen Lebewesen, mit denen wir uns diese Welt teilen?

Eine Antwort darauf lautet: Der Umgang der Eltern oder ersten Bezugspersonen mit dem Neugeborenen, Kleinst- und Kleinkind trägt in hohem Maße dazu bei, die Empathiefähigkeit des Kindes zu erhalten. Gefördertes, behindertes oder gestörtes Einfühlungsvermögen geht demzufolge auf unsere ersten Jahre zurück.

Die Forschung lässt außerdem darauf schließen, dass eine ausgeprägte Empathiefähigkeit von der Selbstwahrnehmung abhängt (siehe dazu auch den Beitrag zu Selbstwahrnehmung).

Verstehst du also deine eigenen Emotionen und Beweggründe und kannst du dich selbst gut einschätzen, dann bist du auch in der Lage, dein Gegenüber und deine Umwelt einzuschätzen und zu verstehen.

Verloren gegangene Empathie kann aber anhand verschiedener Techniken und Übungen wieder erlernt werden. Dazu gehören beispielsweise:

•aktives Zuhören

• achtsames und wertschätzendes Beobachten

• Deuten von Körpersprache

• Erlernen bestimmter Fragetechniken

Wann hast du das letzte Mal deinem Gegenüber zugehört? Ich meine WIRKLICH zugehört – ohne Zwischenfragen, ohne deinen eigenen Gedanken nachzuhängen oder das Erzählte in Relation zu deinen Erlebnissen oder Erinnerungen zu bringen? Oder achtsam beobachtet? Dich wirklich ganz bewusst dem (Beob)achten deines Gesprächspartners gewidmet und darauf geachtet, wie sich seine Hände bewegen, wohin sein Blick schweift, wo Anspannung oder Entspannung in seiner Haltung liegen?

Empathie ist in unserer heutigen Gesellschaft des Höher-Schneller-Weiter leider Mangelware geworden. Viel zu oft geht es nur um Profit, um Wettbewerb und um Noch-mehr-Geld-verdienen.

Mehr Einfühlungsvermögen würde in allen unseren Lebensbereichen zu mehr sozialer Kompetenz, zu mehr Kommunikation und zu mehr Miteinander anstatt gegeneinander führen.

Denn: Empathie ist der erste Schritt zum Frieden. Empathie ist der Schlüssel zum Verstehen und weit mehr als ein Soft Skill. Mehr Mitgefühl kann unser aller Leben verändern – zum Positiven. Probier es auch!

Wer mehr von  Ilona Kofler lesen oder erfahren möchte, hier geht es zu ihrer Homepage: https://koflercoaching.com