Lebenskompetenz: Stressbewältigung

August, 2019 von Ines Külper in Allgemein, Lebenskompetenz, Selbstwahrnehmung, Stressbewältigung


In unserer Reihe zu den Lebenskompetenzen gibt es heut einen ausführlichen und sehr guten Gastbeitrag von einem unsere Communitymitglieder: Sabine Jürgens

Stressbewältigung

Wäre es nicht schön, wenn man immer irgendwie cool wäre? Nichts könnte einen umhauen. Wir wären gelassen und entspannt. Komme, was wolle...

Eine traumhafte Vorstellung, aber leider gibt es diesen Zustand namens Stress in unserem Leben.

Stress! Kennt sicher jeder. Stress gehört zu unserem Leben. Zeitdruck, unangenehme Situationen und Konflikte stressen uns. Wir hetzen durch den Alltag und uns plagen Druck und Anspannung. Damit müssen wir umgehen. Ein Leben ohne Stress gibt es leider nicht. Noch nicht einmal auf einer einsamen Insel, denn da wird uns wahrscheinlich irgendwann die Einsamkeit stressen.

Wir sollten aber unterscheiden zwischen negativem und positivem Stress. Der positive Eustress erhöht unsere Aufmerksamkeit und steigert die Leistungsfähigkeit. Er schadet uns nicht, im Gegenteil. Er ist ein wichtiger Motor. Dabei werden eben nicht nur Stress- sondern auch Glückshormone freigesetzt. Man könnte es auch positive Aufregung nennen. Ganz anders sieht es natürlich beim negativen Stress aus. Mit dem müssen wir uns auseinandersetzen!

Stressauslöser sind vielfältig. Zuerst fällt uns da der Stress im Job ein, der Termindruck, und wenn unsere Work-Life-Balance in Schieflage geraten ist. Die vielbeschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist bekanntermaßen ein großer Stressfaktor für Eltern (und auch Kinder!). Aber auch Beziehungskrisen, finanzielle Probleme, Mobbing oder dauerhafte Lärmbelästigung belasten uns. Der Verlust des Arbeitsplatzes, schlechte Schulnoten der Kinder oder der Tod eines lieben Menschen. Stress ist individuell. Was den einen stresst, lässt den anderen ruhig schlafen. Und umgekehrt. Daher gibt es DEN Stress nicht. Was aber für alle gilt: Chronischer Stress macht krank. Dauerhafter Stress frustriert, macht aggressiv und hat Auswirkungen auf unser vegetatives Nervensystem: auf unser Verhalten, unser Denken, unsere Emotionen.

Beim sogenannten Disstress treten sowohl körperliche als auch psychische Symptome auf: Muskelverspannungen, Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Erschöpfung, Magen- und Darm-Erkrankungen und Bluthochdruck. Uns schlägt etwas auf den Magen, es geht uns an die Nieren und es lastet etwas auf unseren Schultern. Wir sind reizbarer und aggressiver. Die dauerhafte Anspannung schadet Körper, Geist und Seele. Daher sollte jeder seine Stressgrenzen kennen und unbedingt Maßnahmen ergreifen, damit Stresshormone auch wieder abgebaut werden können – und sich nicht einnisten und zum Dauerbegleiter werden.

Aber wie?

Dafür müssen wir unsere ganz persönlichen Stressoren identifizieren.

Wir fallen abends aufs Sofa und stöhnen „Was für ein stressiger Tag!“ Das Telefon klingelt und wir wimmeln die Freunde ab mit: „Ich bin gerade im Stress.“

Ein Wort, das alles bedeuten kann. Was aber genau?

Denn die Aussage „Ich fühle mich gestresst!“ ist sehr allgemein und bringt uns nicht weiter. Da sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Wichtig wäre es, sich ganz konkret mit dem Tag bzw. der Situation auseinanderzusetzen: Was genau war da los? Wie war meine Reaktion? Habe ich den Stress körperlich empfunden? Und wenn ja, wie genau? Was habe ich gedacht und gefühlt? Wir müssen die konkreten Stressfaktoren aufspüren: War es vielleicht der Baustellenlärm vor dem Fenster? Ist es die neue Kollegin, die uns auf den Wecker geht? Was stört uns an ihr? Macht uns das tägliche Pendeln im Berufsverkehr nervös? Nur wenn wir unsere ganz persönlichen Stressoren kennen, können wir sie reduzieren oder sogar vermeiden.

Aber wie?

Einerseits kann ich einige konkrete Stressoren vielleicht sogar ausschalten und Alternativen finden. Ich quäle mich z.B.  nicht mehr mit dem Auto durch den Verkehr, sondern fahre entspannt mit der Bahn. Andererseits muss ich den Stressoren, die ich nicht eliminieren kann (wie die nervige Kollegin), etwas entgegensetzen! Jeder von uns hat Ressourcen, persönliche Kompetenzen, die uns zur Verfügung stehen, um schwierige Situationen zu beeinflussen und Unangenehmes zu reduzieren. Dinge, die uns Kraft und Energie schenken. Die müssen wir bewusst aktivieren und einsetzen. Wir greifen zurück auf positive Gewohnheiten und bewährte Mittel, die unsere Stresshormone reduzieren.  Für den einen ist das der Sport oder ein Saunaabend, für andere ein Spaziergang im Wald. Wir müssen auftanken, den Akku laden mit Dingen, die uns gut tun. Was bereitet mir Freude, wie entspanne ich am besten? Ist mein Krafttank gut gefüllt, belastet mich Stress deutlich weniger.

Neben persönlichen Methoden helfen natürlich auch Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Atemübungen und Progressive Muskelrelaxation. Das alles kann man spielend leicht erlernen und in den Alltag einbauen.

Die Kunst mit Stress umzugehen, gehört sicher zu unseren wichtigsten Lebenskompetenzen. Nur mit einer guten und gesunden Stressbewältigung erlangt man psychische Widerstandsfähigkeit. Dann kann uns der Stress nichts anhaben! Und wir gehen entspannter durchs Leben – eben einfach cool(er).

Wer mehr von  Sabine Jürgens lesen oder erfahren möchte, hier geht es zu ihrer Homepage: http://sabinejuergens.berlin/